Zuhause wohnen und Geld sparen kann sehr vernünftig sein.
Ich finde nur, man sollte das gesparte Geld dann irgendwann auch tatsächlich sparen.
Ein Bekannter hat jahrelang gesagt, er wohnt noch bei seinen Eltern, damit er Eigenkapital aufbauen kann, und hatte gleichzeitig jeden zweiten Monat irgendein neues Technikspielzeug.
Natürlich kann jeder sein Geld ausgeben, wie er will.
Aber „ich spare für später“ klingt überzeugender, wenn später auf dem Konto gelegentlich sichtbar wird.
Direkt vom Elternhaus mit einem Partner zusammenzuziehen kann wunderbar funktionieren.
Es bedeutet nur auch, dass man nie erlebt hat, wie man seinen Alltag komplett allein organisiert: Geld, Essen, Putzen, Ruhe, niemand wartet zu Hause.
Das muss kein Pflichtkurs fürs Erwachsensein sein. Eine eigene Erfahrung ist es trotzdem.
Mit 25 im selben Zimmer zu wohnen wie mit 16 kann sich merkwürdig anfühlen, selbst wenn das Verhältnis zu den Eltern gut ist. Alte Schulbücher, Jugendmöbel und Dinge, die seit Jahren niemand angerührt hat. Man wohnt dann nicht nur bei den Eltern, sondern teilweise auch noch zwischen einer älteren Version von sich selbst.
Es macht einen ziemlich großen Unterschied, ob „bei den Eltern wohnen“ bedeutet, dass Essen, Wäsche und Rechnungen einfach passieren, oder ob drei Erwachsene gemeinsam einen Haushalt führen.
Dieselbe Adresse kann zwei völlig verschiedene Wohnsituationen beschreiben.
Wer später zum ersten Mal auszieht, überspringt die Aufgaben nicht. Mietvertrag, Strom, Internet, Möbel, Haushaltszeug, Versicherungsfragen und plötzlich herausfinden, wie oft man eigentlich Badreiniger kaufen muss. Selbstständigkeit hat kein Ablaufdatum. Einige Lektionen kommen dann nur gesammelt.
Wenn ich dauerhaft bei meinen Eltern wohnen und von dort arbeiten würde, wären für mich klare Regeln fast wichtiger als mehr Platz. Wann brauche ich Ruhe für Calls? Wer benutzt wann welchen Raum? „Ich bin zu Hause“ bedeutet während eines Arbeitstags eben nicht automatisch „ich habe Zeit“.
„Ich gebe zu Hause natürlich etwas dazu“ kann alles zwischen gelegentlichem Einkauf und einem festen monatlichen Betrag bedeuten. Eine klare Vereinbarung über Lebensmittel, Nebenkosten oder Haushaltsgeld macht das Zusammenleben oft erwachsener als die Frage, ob auf dem Mietvertrag der eigene Name steht.
Mit meinen Eltern zu wohnen war finanziell wahrscheinlich die vernünftigste Wohnform, die ich je hatte.
23 Uhr nach Hause kommen und in der Küche hören „Na, war schön?“ war allerdings eine Erinnerung daran, warum ich irgendwann ausgezogen bin.
Nicht weil meine Eltern streng waren. Man fällt zu Hause einfach sehr leicht wieder in Rollen zurück, die man mit 15 schon hatte.
Nach meinem Auszug fand ich es dann plötzlich angenehm, niemandem erklären zu müssen, warum ich sonntags um 14 Uhr noch frühstücke.
Das war mir überraschend viel wert.
Ich bin mit 25 für ein paar Monate wieder bei meinen Eltern eingezogen, weil zwischen zwei Wohnungen eine Lücke war.
Am Anfang dachte ich, das wird bestimmt komisch.
War es teilweise auch. Meine Mutter hat am zweiten Abend gefragt, ob ich ungefähr sagen kann, wann ich nach Hause komme. Eine Frage, die seit Jahren niemand mehr gestellt hatte.
Andererseits saßen wir plötzlich wieder öfter zusammen beim Abendessen und ich habe meinen Vater wahrscheinlich in diesen drei Monaten mehr gesehen als in den zwei Jahren davor.
Dauerhaft wollte ich trotzdem wieder raus.
Beides kann gleichzeitig schön sein.
Finanziell hat das Elternhaus viele Vorteile.
Romantisch etwas weniger, wenn ein Date zum ersten Mal mitkommt und aus dem Wohnzimmer freundlich „Hallo, wir sind übrigens die Eltern“ zu hören ist.
Manche Quadratmeter bezahlt man hauptsächlich für Privatsphäre.
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